Psychologische Therapien gegen Zwänge steigern die Lebensqualität. Zwänge sind häufig mit starken Ängsten, hohem Zeitaufwand und deutlicher Überbelastung verbunden. Gleichzeitig werden wohltuende Aktivitäten und soziale Kontakte deutlich vernachlässigt. Dieser Artikel stellt zwei Therapien gegen Zwänge vor.

Konfrontation mit Reaktionsverhinderung

Konfrontation mit Schmutz

Konfrontation mit Schmutz als Therapie gegen Zwänge © leosaumurejr under cc

Methode

Eine der bekanntesten Therapien gegen Zwänge ist die Konfrontation mit Reaktionsverhinderung (Rachman, 1971; Salkovskis, 1988). Bereits zu Beginn der Behandlung wird der Patient in Begleitung seines Therapeuten mit der am meisten Angst auslösenden Situation konfrontiert. In dieser tritt ein besonders starker Zwangsimpuls auf. Beispielsweise hat der Patient das starke Bedürfnis, sich nach Kontakt mit Lebensmitteln die Hände zu waschen, um sich vor Verunreinigungen zu schützen. Im Zuge der Konfrontation würde nun eine Reaktionsverhinderung vorgenommen werden. Der Patient müsste demnach auf das Reinigen der Hände verzichten. Er muss solange in diesem Zustand verharren, bis die Angst nachlässt. Als Hilfestellung kann der Therapeut das gewünschte Verhalten zunächst vormachen und sein Gegenüber zum Nachahmen ermutigen. Demnach könnte der Therapeut das Waschen der Hände unterlassen und dem Patienten zeigen, dass dieser keine negativen Konsequenzen zu erwarten hat.

Effekt

Bei Erfolg der Maßnahme macht der Patient die Erfahrung, dass die eigenen Befürchtungen in der Situation gar nicht eingetreten sind. Er lernt dadurch, dass er das Zwangsritual nicht benötigt, um die Furcht loszuwerden. Comer (2001) konnte zeigen, dass dieses Verfahren bei 75% der Patienten zu einer Reduzierung der Zwangshandlungen geführt hat und somit zu einer der wirkungsvollsten Therapien gegen Zwänge zählt.

Rational-Emotive Therapie

Methode

Zu den Therapien gegen Zwänge zählt auch die Rational-Emotive Therapie (RET) von Ellis (1977). Diese geht davon aus, dass Einstellungen und Überzeugungen gegenüber gewissen Dingen darüber entscheiden, wie wir uns diesen gegenüber fühlen und verhalten.

Nach Ellis führen irrationale Denkmuster gegenüber Sachverhalten zu Ängsten. Dies äußert sich bei zwangsgestörten Patienten dadurch, dass diese übertriebene negative Erwartungen an das Unterlassen gewisser Handlungen haben. Sie glauben also, dass ein schmutziger Tisch für sie großes Unheil bedeutet. Des Weiteren misstrauen sie ihren Erinnerungen und erhalten erst durch das Ritual die nötige Sicherheit, dass alles in Ordnung ist. Die Erinnerung, den Tisch ordentlich gewischt und dies auch überprüft zu haben, reicht nicht aus. Das beruhigende Gefühl stellt sich erst nach nochmaliger Kontrolle ein.

Im Rahmen der Rational-Emotiven Therapie soll der Patient mit Hilfe des Therapeuten diese irrationalen Denkmuster identifizieren und sie auf ihre Angemessenheit überprüfen. Diese Überprüfung kann auf mehreren Ebenen stattfinden:

  • Auf der logischen Ebene wird der Zusammenhang nach einem Ursache-Wirkungsschema betrachtet. Es könnte die Frage aufgeworfen werden, ob auf einen schmutzigen Tisch tatsächlich soziale Ablehnung folgt.
  • Im Zuge der emotionalen Ebene werden die Gefühle zu den Dingen hinterfragt. Beide könnten sich die Frage stellen, ob die Angst vor Ablehnung aufgrund eines unsauberen Tisches in diesem Maße wirklich berechtigt ist.
  • Im Rahmen der pragmatischen Ebene soll der Nutzen dieses Zusammenhangs hinterfragt werden. Beide könnten sich damit beschäftigen, ob soziale Anerkennung wirklich über Sauberkeit oder alternativ über andere Verhaltensweisen gefestigt werden kann.

Effekt

Das Ziel dieser Vorgehensweise liegt darin, irrationale Gedankenmuster durch angemessenere zu ersetzen. Dies hilft potentielle Zwangsgedanken als weniger bedrohlich wahrzunehmen und den Zwang von vornherein auszuschalten. Dieses Verfahren gehört zu den wirksamen Therapien gegen Zwänge (Überblick bei Grawe, Donati & Bernauer, 1994).

Quellenangaben

  • Comer, R.J. (2001). Klinische Psychologie (2., durchges. Aufl.). Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
  • Ellis, A. (1977). Die Rational-emotive Therapie: Das innere Selbstgespräch bei seelischen Veränderungen. München: Pfeiffer.
  • Grawe, K., Donati, R. & Bernauer, F. (1994). Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession (5., durchges. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
  • Rachman, S. (1971). Obsessional ruminations. Behaviour Research and Therapy, 9(3), 229-235.
  • Salkovskis, P.M. (1988). Instrusive thougths and obsessional disorders. In D. Glasgow & N. Eisenberg (Hrsg.), Current Issues in Clinical Psychology (4., durchges. Aufl., S. 96-110). London: Gower.